Was ist eine Übungsgruppe in gewaltfreier Kommunikation?

zwei Bücher und Kuscheltier Wolf

Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg ist eine Methode, mit der Konflikte gelassen und erfolgreich gelöste werden können. Die Methode ist einfach und komplex zugleich. Das bedeutet, um gewaltfreie Kommunikation zu beherrschen, ist Übung notwendig. Und um etwas Neues zu lernen oder etwas bisheriges Umzulernen ist es notwendig, dass das Umfeld stressfrei und wohlgesonnen ist.

Weshalb eine Übungsgruppe Sinn macht?

  • Wie beim Erlernen einer neuen Sportart ist es notwendig, vom theoretischen Wissen zu Handlungssicherheit zu gelangen. Viele Wiederholungen sind notwendig und Rückmeldung durch TrainerInnen, damit ein begeisterter Neuling eine routinierte AnwenderIn wird.
  • Stress runter, dann lernen wir am besten. Meist möchten Menschen gewaltfreie Kommunikation lernen, um Konflikte gelassener und erfolgreicher zu lösen. Konflikte stressen uns. Auf Stress reagiert unser Körper mit dem Angriffs- oder Abwehrmodus. Dieser Modus dient dem Überleben. Der Körper soll schnell reagieren. Daher wird das Großhirn quasi ausgeschaltet und Automatik gestellt. Dann stehen uns nur bekannte Reaktionsmuster zur Verfügung. Es ist also eine stressarme Umgebung notwendig, damit wir neue Verhaltensmuster überlegen können. Durch Wiederholungen werden die neuen Reaktionen im Automatikmodus abgespeichert. Voilá, dann stehen sie bei Konflikten im Stresszustand zur Verfügung.
  • Manchmal gibt es Leidensdruck, der Menschen dazu bringt sich mit gewaltfreier Kommunikation zu beschäftigen. Erste Erfolge und erste gelöste Konflikte führen dazu, dass der Leidensdruck nachlässt. Dann verschiebt sich die Wichtigkeit. Das Üben wird lästig. Die Entscheidung, eine Übungsgruppe zu besuchen verhindert, dass man mit dem Training nachlässt oder ganz aufhört. Die gute Atmosphäre verführt zum regelmäßigen Besuch.
  • In einer Übungsgruppe werden viele verschiedene Themen angesprochen. Wie gehen andere mit unterschiedlichsten Konflikten um? Welche Lösungsversuche gibt es? Durch Austausch und Beobachtung kann jede TeilnehmerIn viel lernen.

Welche Gruppenformgen gibt es?

  • Offene und Geschlossene Gruppe. Offenen Gruppe bedeutet, jederzeit können Menschen dazu kommen oder aussteigen. Geschlossene Gruppe bedeutet, dass bestimmte Menschen gemeinsam starten und nach einer festgelegten Anzahl von Treffen die Zusammenarbeit beenden.
  • Präsenz oder Online: Viele Übungen wurden ursprünglich für Gruppen und Seminare entwickelt. Manche dieser Übungen entfalten ihr volles Potential dann, wenn sie in Präsenz durchgeführt werden. Mittlerweile gibt es auch Onlineformate und immer mehr Übungen werden in diese Richtung entwickelt.
  • Gruppengröße: Die Gruppengröße kann von 4 bis hunderte von Personen variieren.
  • Leitung: Es gibt organisierte Übungsgruppen, mit einer festen Leitung oder selbst organisierte Gruppen. Für die Selbstorganisation gibt es z.B. Bücher, die Übungen vorschlagen.
Strichmännchen auf Treppe

Was passiert in einer Übungsgruppe?

Wer verschiedene Übungsgruppen besucht stellt fest, dass es einen schematischen Ablauf gibt.

Check-In: Ankommen. Jeder macht sich klar, warum er gerade hier ist. Der Alltag wird ein wenig beiseite geschoben. Jeder focusiert sich auf das Hier und Jetzt. Häufig wird dann die Befindlichkeit ausgetauscht.

Markt der Möglichkeiten: Jeder entscheidet, ob und was er üben möchte. Gemeinsam wird dann festgelegt, was bearbeitet wird. Es kann sein, dass nicht jeder die Möglichkeit bekommt, etwas zu üben. Das ist total okay. Beim Beobachten und unterstützen der anderen in ihrem Prozess steckt viel Lernpotential. Aktuelle Anliegen haben Vorrang. Sollte keiner einen aktuellen Konflikt bearbeiten wollen, dann gibt es genügend Übungen, die zum Nachdenken und Erweitern der Komfortzone anregen.

Check-Out: In einer Abschlussrunde tauschen sich alle aus, wie es ihnen nun geht. Eventuell wird festgelegt, wann und wo die nächste Übungsgruppe statt findet.

Meine Zusammenfassung

Ich liebe meine Übungsgruppen. Nachdem ich verschiedene Gruppen, Formate und Organisationsformen ausprobiert habe, bin ich quasi süchtig danach. Ich bin Teil einer selbstorganisierten Gruppe. Früher rotierte die Moderation. Jetzt haben wir so einen klaren Ablauf. dass wir gar nicht mehr festlegen, wer moderiert. Das ist toll. Im Dezember 2022 ist meiner Präsenz-Übungsgruppe die Lust ausgegangen. Auch das passiert. Daneben moderiere ich Übungsgruppen. Dafür lese ich mich dann immer wieder ein und bereite etwas vor. Manchmal bin ich erstaunt, wie ich mich und meinen Blick auf die Übung verändert habe. Es fasziniert mich, dass ich auch online mit mir völlig unbekannten Menschen üben kann.
Was ich hier nicht erwähnt habe, ist, meine Mail-Übungsgruppe. Ich liebe Mails. Ich bekomme jede Woche eine Mail von Tom Bond. Auch das ist eine Form, die gut passen kann.

Mein Aufruf also: such dir eine oder zwei Übungsmöglichkeiten und bleib dran. Sei nicht enttäuscht, wenn es vor Ort keine Gruppe gibt. Du kannst online üben oder selbst eine gründen. Durchhalten und Weitermachen ist der Schlüssel zum Lernen.

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