Anleitung: Wie erkenne ich eine gute Übungsgruppe für Gewaltfreie Kommunikation?

Frau mit Buch Rosenberg

Wer mit gewaltfreier Kommunikation in Kontakt kommt, ist unweigerlich fasziniert. Um vom Anfänger zum sicheren Anwender zu werden, stellt sich die Frage nach einer Übungsgruppe für gewaltfreie Kommunikation. Mir ist 2015 mein erstes Seminar in den Schoß gefallen und ich war sofort hin und weg. Mich hat begeistert, dass ich alleine darüber bestimmen kann, dass ich damit loslege. Es ist nicht notwendig, dass irgend jemand in meiner Umgebung darin geschult ist. Mein Gegenüber braucht keine Qualifikation. Wenn ich mich entscheide, dass ich empathisch zuhöre, dann kann ich das tun. Ich bin nicht auf die Zustimmung des anderen angewiesen. Es ist ’nur‘ wichtig, dass ich in die Haltung gehe. Dann kann ich erfolgreicher kommunizieren.

Gewaltfreie Kommunikation ist einerseits einfach. Es sind vier Elemente. Wenn ich mich darauf konzentriere und andere Inhalte weglasse, dann habe ich beste Chancen, dass der andere überhaupt Lust hat, mir zuzuhören. Für sich selbst üben, ist ein Möglichkeit. Wichtiger ist es aus meiner Sicht, eine Übungsgruppe für Gewaltfreie Kommunikation zu besuchen. Dazu gibt es Angebote online und offline. Meine Anleitung soll dir helfen, das richtige Angebot für dich zu finden.

Sind die Regeln und Rollen klar?

Es gibt offene und geschlossene Übungsgruppen. Das bedeutet, dass du in die eine Gruppe jederzeit eintreten kannst und bei der anderen Gruppe gibt es einen bestimmten Termin, an dem du gemeinsam mit den anderen startest. Wichtig ist, dass es eine Einführung gibt. Es sollte dir wirklich nach kurzer Zeit klar sein, wie die einzelne Sitzung abläuft. Im idealen Fall gibt es ein Plakat oder ähnliches, auf dem Regeln und Strukturen visualisiert sind. Je klarer die Struktur ist, desto entspannter kannst du sein, dass der Rahmen gehalten wird. Ob du eine offene oder geschlossene Gruppe wählst, ist Geschmacksache. Ich habe beides ausprobiert. Und ich bin Teil verschiedener geschlossener Gruppen und besuche regelmäßig offene Angebote, wie das Empathielabor.

Wer eine Übungsgruppe leitet, muss ein Meister sein!

Die Übungsgruppe steht und fällt mit der Moderation. Eine Übungsgruppe zu leiten, ist eine Herausforderung und erfordert Mut. Und die Aufgabe der ModeratorIn ist es, Struktur zu geben. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese Person ein Meister der gewaltfreien Kommunikation ist oder zwangsläufig sein muss. Im Klartext heißt das, jeder Personenkult ist genau zu beobachten. Wünsche der TeilnehmerInnen nach Einzelsitzungen sollten eher abgelehnt werden. Aus meiner Sicht sollte die Strategie „Einzelsitzung“ regelhaft hinterfragt werden. Wenn das transparent gehandhabt wird und dir klar ist, dass jeder in dieser Gruppe lernt, dann werde Mitglied dieser Gruppe. In geschlossenen Gruppen kann die Moderation abwechselnd übernommen werden. Damit habe ich gute Erfahrung gesammelt und kann es empfehlen.

Frau mit Buch
Für Übungsgruppen gibt es einige Bücher auf dem Markt, z.B. von Ingrid Holler.

Alles klar! Jeder weiß, weshalb er in der Übungsgruppe ist.

Übungsgruppen in gewaltfreier Kommunikation sind so beliebt, weil es Empathie für alle gibt. Manche Menschen besuchen also die Gruppe, weil es nett ist, dass die anderen zuhören. Es gibt TeilnehmerInnen, die immer wieder behaupten, sie haben es wirklich versucht, aber gewaltfreie Kommunikation funktioniere nicht. Und dann erzählen sie eine bestimmte Situation. Oder sie behaupten, dass sie wirklich allen Menschen gewaltfrei begegnen wollen, außer ihrer Erbtante oder dem Nachbarn! Hier sollte die ModeratorIn eindeutig eingreifen. Eine Übungsgruppe ist ein geschützter Raum zum Üben. Hier wird nicht der Beweis geführt, dass es überhaupt möglich ist. Voraussetzung ist die Entscheidung, üben zu wollen. Wenn niemand eingreift, dann wechsle die Gruppe. Ich habe sehr ermüdende Erfahrung mit diesen Menschen gemacht.

Erwarte Empathie nur von dir selbst!

Empathie ist ein Geschenk. Jede Erwartungshaltung, dass ich empathisch zu sein habe, dass es meine Aufgabe ist, empathisch zu reagieren, blockiert den Prozess sich weiter zu entwickeln und die eigene Empathiefähigkeit auszubauen. Er hört auf seine eigene Empathiefähigkeit zu üben. Ich würde dann die Gruppe besuchen, wenn klar ist, dass Empathie nicht eingefordert wird. Sätze wie „Das war jetzt aber nicht gewaltfrei“ oder „Ich brauche jetzt Empathie.“ sollten daher so selten wie möglich fallen.

Klugscheisser, bitte auf die hinteren Plätze!

Nicht immer, wenn wir versuchen uns wertschätzend auszudrücken, gelingt es. Unangenehm sind Menschen, die dann besser wissen, wie es geht. Der Versuch, Recht haben zu wollen, ist das Gegenteil von Empathie. Das kann immer passieren, sollte schnellstmöglich besprochen und geändert werden. Beobachte bitte, wie die ÜbungsleiterIn mit Ratschlägen umgeht. Ratschläge sind dann gut, wenn zunächst gefragt wurde, ob ein Ratschlag gewünscht wird. Wenn es bejaht wird, dann los! Alle anderen Ratschläge sind Kommunikationssperren.

Bring dich ein! Davon profitieren alle in der Übungsgruppe.

In Übungsgruppen sind sehr unterschiedliche Typen von Menschen. Und das ist gut so. Jeder gibt sein Bestes. Und für ganz müde Tage hat die ModeratorIn auch Übungen dabei. Trotzdem sollte klar sein, dass jede sich überlegt, was sie selbst Beitragen könnte. Und das bedeutet, dass jede sich so zeigt wie sie ist. Der Versuch, in der Beobachterrolle Bewertungen zu entgehen, führt langfristig dazu, dass sich alle unwohl fühlen. Wenn du erlebst, dass jede ihren Beitrag leistet, dann bring dich in diese Gruppe ein und genieße die Treffen.

Sind wirklich ’nur‘ Anfänger in der Übungsgruppe?

Eine Übungsgruppe funktioniert dann, wenn sie aus Anfängern besteht. Ich definiere Anfänger so, dass es Menschen sind, die lernen und üben wollen. Es gibt keinen Endpunkt und keine Profis. Jemand, der sich über andere stellt und angibt, er könne gewaltfreie Kommunikation, hindert die anderen TeilnehmerInnen daran, sich weiter zu entwickeln. Das bedeutet im weiteren, dass jede Übungsgruppe eine Selbsthilfegruppe ist. Jeder einzelne ist Anfänger. Findest du diesen Spirit in der Gruppe, dann bist du Gold richtig.


Das Ziel ist nicht, perfekt zu sein, sondern zunehmend weniger dumm zu werden.

The goal is not „to be perfect“, but „to become progressively less stupid.“

Marshall B. Rosenberg
Frau zeigt auf Buch
Es lohnt sich, das Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ von Rosenberg mehrfach zu lesen.

Finde heraus, weshalb du selbst an einer Übungsgruppe teilnehmen möchtest?

Es ist relativ einfach, andere dabei zu beobachten, weshalb sie an einer Übungsgruppe teilnehmen. Die Andere hat einen hohen Leidensdruck. Sie macht sich die Mühe und opfert ihre kostbare Freizeit um einen Trick zu lernen, wie sie in ihrem Leben konsequenter sein könnte. Dabei geht es darum, den Folgen ihrer früheren Verhaltensweisen besser auszuweichen. Der nachhaltige Wille scheint zu fehlen. Bereits nach kurzer Zeit verwandelt sich die Übungsgruppe zu einem Ort, an dem sie Empathie bekommt. Ohne Anstrengung konsumiert sie schöne Gefühle des „dazu gehörens“. Leider findet dann keine Weiterentwicklung mehr statt.

Ich kenne den Versuch sehr gut. Auch ich habe mich gefreut, bei der Vorstellung nun immer von netten Menschen umgeben zu sein und Harmonie zu erleben. Gewaltfreie Kommunikation ist auch Konfrontation mit sich selbst und den eigenen Begrenzungen. Klarheit darüber, was ich will bedeutet nicht, dass ich es bekomme. Das kann schmerzhaft sein. Daher, überlege, weshalb du dich ins Abenteuer Übungsgruppe stürzt. Gib soviel Empathie, wie du hast. Und noch ein bisschen mehr, der Verschwendung wegen. Und dann genieße deine Erfolge und feiere sie.

Die, die etwas können, die tun es,
die es nicht können, die lehren es,
die es nicht lehren können, befehlen es.

unbekannt

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