Die 5 größten Fehler beim Start einer Paartherapie – damit eure Beziehung wirklich eine Chance bekommt

Du hast den Schritt gewagt. Du gehst in die Paartherapie. Das ist mutig und alles andere als selbstverständlich.

Aber was, wenn die Therapie nicht das bringt, was du dir erhofft hast? Wenn ihr nach ein paar Sitzungen wieder genauso dasteht wie vorher oder sogar frustrierter?

Das liegt meistens nicht an der Methode oder am Therapeuten/Therapeutin.

Es liegt an (Denk)Fehlern, die fast alle Paare machen.

In meiner Arbeit als Paartherapeutin erlebe ich diese (Denk)Fehler immer wieder. Ich kenne sie auch aus meiner eigenen Geschichte. Deshalb zeige ich dir heute die fünf häufigsten Fehler in der Paartherapie und wie du sie vermeidest, bevor sie deinen Fortschritt ausbremsen.

5 Fehler beim Start einer Paartherapie

Paartherapie wirkt, wenn du beachtest, was sie zum Scheitern bringt. Diese 5 Fehler machen fast alle Paare:
Keine tägliche Zeit für Veränderung reservieren
Denken, der andere soll sich verändern
In der Sitzung nicht ehrlich sprechen
Zu früh aufhören, wenn es besser wird
Innerlich schon weg sein – ohne es zuzugeben

Paartherapie-Fehler Nr. 1: Du reservierst keine tägliche Zeit für Veränderung an dir selbst

Du gehst davon aus, dass sich der Aufwand für eine Paartherapie auf die Zeit bezieht, die du gemeinsam mit deinem (nicht mehr ganz) Lieblingsmenschen in der Beratung verbringst. Eine Stunde in der Woche. Vielleicht zwei. Das sollte reichen, oder?

Nein.

Du brauchst täglich Zeit, um dich selbst zu reflektieren. Dich zu beobachten … Was mache ich da gerade eigentlich? Worum geht es mir wirklich? Weshalb fällt mir dieses Verhalten auf (und anderes nicht)?
Du brauchst täglich Zeit, neue Verhaltensweisen zu zeigen. Gemeinsame Zeit, versprochene Unterstützung auch zu leisten.
Du brauchst täglich Zeit, das Leben zu genießen und die Übungen umzusetzen.

Neu hier? Ich bin Jutta Büttner, Psychologin, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation und Patchwork-Mutter.

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Warum ist das ein Fehler?

Paartherapie beruht auf Veränderungen der Verhaltensweisen. Nicht auf Erkenntnissen, die du im Beratungsraum sammelst und dann wieder einpackst. Sondern auf echtem Umlernen – vom Kopf ins Handeln. Und das passiert nicht von alleine. Es braucht Zeit, dich selbst zu reflektieren. Täglich. Auch wenn du müde bist. Auch wenn der Alltag gerade voll ist.

So vermeidest du diesen Paartherapie-Fehler.

🗓️Du hast einen Kalender. Trage dir täglich Übungszeiten wie früher im Stundenplan ein. Es ist kein nice-to-have, wenn am Ende des Tages noch Kraft und Zeit übrigbleiben, sondern so wichtig, dass es zuerst erledigt wird.
📝Du kannst einen Zettel erstellen und an die Wand pinnen oder du widmest eine Seite deines Kalenders dafür. Trage täglich ein, wie viel Zeit du dich mit dem Thema auseinandergesetzt hast.
✍️Vielleicht schreibst du etwas in dein Journal oder du schaust ein Video oder du liest einen interessanten Artikel. Das zählt alles.

🥳Feiere dich dafür, dass du die Zeit genutzt hast. Gönn dir etwas. Ich liebe Wasser mit Tiefkühl-Himbeeren und Strohhalm.

Paartherapie-Fehler Nr. 2: Der/die andere soll sich verändern

„Wenn er endlich aufhören würde …“ – „Wenn sie mal zuhören würde …“ Vielleicht bist du genau deswegen in die Paartherapie gegangen. Damit endlich jemand mit Fachkompetenz deinem Partner oder deiner Partnerin das sagt, was du schon so lange sagst. Während der Sitzung geht es dann darum, die Therapeutin zu überzeugen. Auf die eigene Seite zu ziehen.

Das ist menschlich. Und gleichzeitig ein häufiger Grund, warum Paartherapie nicht wirkt.

Zwei Männer sitzen auf einem Sofa. Einer der Männer hebt die Arme, der andere zeigt mit dem Finger auf ihn.

Warum ist das ein Fehler?

In meiner Arbeit als Paartherapeutin erlebe ich das immer wieder: Einer kommt mit der stillen Erwartung, dass der Therapeut oder die Therapeutin dem anderen Teil erklärt, wo der Fehler liegt. Schuld wird verteilt. Denn Schuld ist negative Verantwortung. Mit der Schuld geht also auch die Verantwortung an den anderen.

Paartherapie ist kein Gericht. Niemand kann einen anderen Menschen verändern. Was du verändern kannst, bist du selbst. Deine Reaktionen. Deine Kommunikation. Dein Anteil am Muster.

So vermeidest du diesen Paartherapie-Fehler

Frag dich vor jeder Sitzung: Was war mein Anteil? Mit echter Neugierde auf dich selbst.
✍️Schreib es auf. Lies den Satz durch. Versuchst du, dich als Opfer darzustellen? Schreibst du minutiös, damit nur deine Wahrheit gesehen werden kann? Diese Übung verändert deinen Blickwinkel. Weg vom anderen. Hin zu dem, wo du wirklich etwas bewegen kannst.

A young couple sitting apart on a modern leather couch in a bright, minimalist living room with large windows. The man, wearing casual blue jeans and a light gray sweater, is focused on his smartphone. The woman, dressed in cozy pastel loungewear, sits with her arms crossed, looking contemplative and slightly upset. Natural light streams through the windows, enhancing the neutral tones and emotional tension in the scene.

Paartherapie-Fehler Nr. 3: Du sprichst nicht ehrlich

In der Sitzung läuft alles gut. Du formulierst ruhig. Du klingst reflektiert. Vielleicht sagst du sogar Dinge, die du für therapeutisch korrekt hältst. Und zuhause? Brodelt es weiter.

Was du in der Stunde gesagt hast, war nicht gelogen. Aber es war auch nicht die ganze Wahrheit.

Du vermeidest, zu sagen, wo es wirklich wehtut.

Warum ist das ein Fehler?

Eine Paartherapeutin oder ein Paartherapeut arbeitet mit dem, was du gibst. Wenn du weichspülst, bekommst du weichgespülte Lösungen zurück. Die passen dann nicht zu deinem echten Problem. Unbequeme Wahrheiten sind kein Zeichen von Schwäche – sie sind der Rohstoff, aus dem echte Veränderung entsteht.

Ich hatte hier Paare, die wirklich 6 Monate lang verschwiegen haben, dass einer der beiden auf dem Sofa schlafen muss.

So vermeidest du diesen Paartherapie-Fehler

Nutze deine Vorstellungskraft. Was wir uns vorstellen, das können wir erreichen. Sportler stellen sich Bewegungsabläufe vor und können sie dann ausführen. Stell dir zuhause vor, wie das Gespräch verlaufen könnte, wie du unangenehme Themen ansprichst und dein Lieblingsmensch ruhig bleibt und seine Sicht der Dinge benennt.

Ein Mann und eine Frau sitzen Rücken an Rücken und schauen frustriert in die Kamera.

Paartherapie-Fehler Nr. 4: Du brichst zu früh ab

Nach ein paar Sitzungen wird es besser. Die Streitereien werden seltener. Die Stimmung entspannt sich. Du denkst: „Gut. Das hat geholfen. Wir haben es jetzt im Griff.“

Und dann hört ihr auf.

Warum ist das ein Fehler?

Das, was sich nach wenigen Wochen besser anfühlt, ist oft noch keine neue Gewohnheit. Alte Verhaltensweisen sitzen tief. Sie kommen zurück in der nächsten stressigen Phase, nach schlaflosen Nächten, im nächsten größeren Konflikt. Wer zu früh aufhört, riskiert, dass das alte System einfach wieder übernimmt. Und dann fühlt sich der Rückfall doppelt schlimm an.

So vermeidest du diesen Paartherapie-Fehler

Besprecht von Anfang an, dass ihr eine Terminserie bucht. Damit das Neue zur echten Gewohnheit werden kann. Schließt einen Vertrag miteinander ab, wann und wie die nächste Quartalsbesprechung stattfindet. Und feiert Fortschritte, ohne sie mit dem Ende gleichzusetzen.

Paartherapie-Fehler Nr. 5: Du bist innerlich schon weg

Du sitzt in der Sitzung. Du sagst die richtigen Dinge. Aber tief in dir weißt du es bereits. Du bist nicht mehr wirklich dabei. Die Paartherapie ist vielleicht der letzte Versuch – für dich selbst, für die Kinder, damit du sagen kannst, du hast es wenigstens probiert.

Aber das Feuer ist aus.

Warum ist das ein Fehler?

Paartherapie kann sehr viel leisten. Aber sie kann keine Entscheidung ersetzen, die du bereits getroffen hast. Wenn du innerlich schon gegangen bist, wirst du die Übungen nicht ernsthaft machen. Du wirst Veränderungen beim anderen nicht mehr als relevant empfinden. Das ist keine Schwäche – das ist menschlich. Aber es ist wichtig, es zu benennen. Dir selbst gegenüber zuerst.

So vermeidest du diesen Paartherapie-Fehler

Bevor du anfängst: Frag dich ehrlich, ob du diese Beziehung noch willst. Nicht ob du kannst. Nicht ob du solltest. Sondern ob du willst. Wenn du dir unsicher bist, ist Paartherapie ein guter Ort, um Klarheit zu finden. Wenn die Antwort aber schon feststeht – sag es. Dem Therapeuten oder der Therapeutin. Und dir selbst. Manchmal ist die ehrlichste Aussage in der Paartherapie: „Ich weiß nicht mehr, ob ich noch kämpfen will.“

Fazit: So startest du erfolgreich mit Paartherapie

Paartherapie wirkt. Aber nicht von alleine und nicht ohne dich.

Sie wirkt, wenn du täglich dran bleibst. Wenn du den Fokus auf dich selbst richtest, statt auf den anderen. Wenn du ehrlich bist – auch dann, wenn es unbequem ist. Wenn du weitermachst, auch wenn es sich schon besser anfühlt. Und wenn du mit Klarheit darüber kommst, was du wirklich willst.

All das klingt nach viel. Aber du musst nicht perfekt starten. Du musst nur bereit sein. Das reicht.

Eine Frau lächelt über die Schulter eines Mannes. Im Hintergrund ist ein Gebäude im Khmerstil zu sehen.

Über Mich

Jutta Büttner ist Psychologin und erfahrene Paartherapeutin mit über 15 Jahren Praxis. Sie verbindet tiefgreifendes psychologisches Wissen mit einem Verständnis für menschliche Gewohnheiten und die Funktionsweise des Gehirns. In ihrer Arbeit legt sie großen Wert auf Humor und Leichtigkeit, um festgefahrene Denkmuster aufzubrechen und positive Veränderungen zu fördern.

Jutta Büttner glaubt daran, dass durch ehrliche Kommunikation und das Erkennen emotionaler Bedürfnisse jeder in der Lage ist, erfüllende Beziehungen zu gestalten. Sie unterstützt Paare dabei, ihre Verbindung zu vertiefen und Konflikte konstruktiv anzugehen.

In ihrem Blog teilt sie inspirierende Einsichten und praktische Tipps, um das Leben und die Beziehung zu bereichern. Ihr Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, die Veränderung selbst in die Hand zu nehmen und ihre glückliche Partnerschaft zu erschaffen.

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