
Sonntagabend. Ihr sitzt beim Essen. Dein Partner sagt diesen einen Satz. Du kennst ihn. Er trifft genau die Stelle, die sowieso schon wund ist.
Und du? Sagst „Passt schon“. Räumst den Tisch ab. Lächelst sogar.
Am Montag tut dir der Nacken weh. Und du weißt nicht mal, warum.
Wenn du dich hier wiedererkennst, ist dieser Artikel für dich. Ich zeige dir eine Übung, die so einfach ist, dass sie fast albern wirkt. Du brauchst ein Kissen und zehn Minuten. Mehr nicht.
Warum du deine Gefühle runterschluckst
Niemand wird als Schlucker geboren. Das lernen wir. Meistens früh.
Vielleicht war in deiner Familie Wut gefährlich. Vielleicht hat Weinen niemanden interessiert. Vielleicht warst du das Kind, das funktioniert hat, damit die anderen es leichter haben. Dein System hat daraus eine kluge Regel gemacht: Lieber still sein. Dann passiert nichts.
Das Problem ist nur: Die Regel gilt immer noch. Auch wenn du längst erwachsen bist. Auch in deiner Beziehung.
Was dein Körper mit unterdrückten Gefühlen macht
Gefühle verschwinden nicht, nur weil du sie nicht zeigst. Sie suchen sich einen Platz. Und der Körper ist ziemlich geduldig als Lager.
Dass Körper und Gefühl zusammenhängen, ist keine neue Idee. Der Psychotherapeut Alexander Lowen hat schon in den 1950er Jahren beschrieben, wie festgehaltene Gefühle sich als dauerhafte Anspannung in den Muskeln zeigen können. Viele Menschen kennen das aus eigener Erfahrung: Der Kiefer ist fest. Die Schultern wandern Richtung Ohren. Der Atem bleibt flach oben in der Brust.
Wichtig: Nicht jeder steife Nacken ist ein verschluckter Streit. Wenn du länger Schmerzen hast, lass das bitte ärztlich abklären. Aber wenn der Körper sonst gesund ist und trotzdem dauernd auf Alarm steht, lohnt sich ein zweiter Blick.
Was das mit eurer Beziehung macht
Von außen sieht Schlucken friedlich aus. Kein Streit, kein Drama. Für deinen Partner fühlt es sich aber oft ganz anders an.
Er oder sie spürt, dass da etwas ist. Bekommt aber keinen Zugang. Das fühlt sich an wie eine Glaswand. Manche Partner werden dann lauter, um durchzukommen. Und du ziehst dich noch weiter zurück. Ein Kreislauf, den ich in meiner Praxis ständig sehe.
Dazu kommt: Was du lange runterschluckst, kommt irgendwann trotzdem raus. Nur eben nicht beim eigentlichen Anlass. Sondern an einem Dienstag, wegen einer offenen Zahnpastatube. Und dann versteht keiner, warum du so heftig reagierst. Du selbst am wenigsten.

Neu hier? Ich bin Jutta Büttner, Psychologin, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation und Patchwork-Mutter.
Der erste Schritt zur glücklichen Beziehung: hol dir meinen Newsletter.
Du bekommst jede Woche neue Übungen und Inspirationen zu wertschätzendem Umgang mit dir und in deinen Beziehungen.
Ins Kissen schreien: So geht die Übung
Such dir einen Moment, in dem du allein bist. Sag notfalls kurz Bescheid, dass es gleich laut wird. Das erspart dir verwirrte Blicke.
- Kissen holen. Nimm ein festes Kissen. Ein weiches Sofakissen dämpft zu wenig.
- Kissen vor den Mund. Drück es mit beiden Händen fest vor dein Gesicht. Es fängt deinen Schrei auf, damit du dich traust.
- Tief einatmen. Durch die Nase, bis runter in den Bauch. Spür, wie sich der Bauch wölbt.
- Rauslassen. Schrei ins Kissen. Ein lautes „Nein!“, ein „Ja!“ oder ein Fluch, den du sonst nie sagen würdest. Ein Schrei ohne Worte funktioniert genauso.
- Wiederholen. Zehn Mal reicht für den Anfang.
Das Wort ist egal. Was zählt, ist die Kraft. Wenn du nur höflich ins Kissen brummst, passiert wenig. Geh so weit, dass es sich ein bisschen peinlich anfühlt. Genau da wird es interessant.
Die ersten Male fühlen sich oft komisch an. Du kommst dir albern vor. Das ist normal. Dein innerer Aufpasser ist es nicht gewohnt, dass du laut wirst. Er gewöhnt sich dran.
Nach dem Schreien: Hinspüren
Wenn du fertig bist, leg das Kissen weg und bleib einen Moment sitzen. Atme ein paar Mal ruhig durch.
Spür in deinen Hals. Wie fühlt er sich jetzt an? Spür in deine Brust und deinen Bauch. Ist da etwas aufgetaucht? Ein Bild, eine Erinnerung, vielleicht ein Gefühl, das du gar nicht erwartet hast?
Manchmal kommt eine ganz konkrete Situation hoch. Der Satz vom Sonntag. Ein Streit von vor fünf Jahren. Ein Moment aus deiner Kindheit. Dann darfst du das Kissen noch mal nehmen und genau dieses Gefühl hineinschreien.
Du musst dabei nichts verstehen oder analysieren. Es reicht, dass es rauskommt.
Wie oft und wie lange
Mach die Übung ein bis zwei Wochen lang täglich. Zehn Minuten genügen, oft weniger.
Hör auf, wenn es sich stimmig anfühlt. Danach gilt: Kissen in die Ecke und etwas Schönes machen. Ein Spaziergang, ein Tee, eine Folge deiner Lieblingsserie. Dein System braucht Zeit, das zu sortieren.
Viele merken nach ein paar Tagen, dass sie im Alltag schneller spüren, was los ist. Und dass ihnen ein ehrliches „Das ärgert mich gerade“ leichter über die Lippen geht. Nebenbei kann der Nacken lockerer werden.
Vom Kissen zum Gespräch
Das Kissen ist kein Ersatz für ein Gespräch mit deinem Partner. Es ist das Aufwärmen davor.
Wer jahrelang geschluckt hat, kann nicht von heute auf morgen ruhig und klar sagen, was ihn stört. Da ist zu viel Druck auf der Leitung. Das Kissen nimmt diesen Druck raus. Danach fällt es viel leichter, in Ruhe zu sagen, was du brauchst.
Aus der Gewaltfreien Kommunikation kennst du vielleicht die Idee: Hinter jedem Gefühl steckt ein Bedürfnis. Wut zeigt oft, dass eine Grenze überschritten wurde. Trauer zeigt, dass dir etwas wichtig ist. Wenn du ins Kissen geschrien hast, frag dich hinterher: Was hätte ich in dem Moment gebraucht? Daraus wird ein Satz, den du deinem Partner sagen kannst. Ohne Vorwurf und ohne Explosion.
Wann das Kissen nicht reicht
Manchmal tauchen bei der Übung Erinnerungen auf, die dich überrollen. Dann hör auf. Das ist kein Scheitern, sondern ein wichtiges Signal. Hol dir in dem Fall Unterstützung bei einer psychotherapeutischen Fachperson.
Und wenn du merkst, dass ihr als Paar immer wieder im gleichen Muster landet, einer schluckt und einer drängt, dann liegt es nicht an einem von euch allein. Dann lohnt es sich, gemeinsam hinzuschauen.
Häufige Fragen
Hilft ins Kissen schreien wirklich? Viele Menschen erleben danach Erleichterung und spüren ihre Gefühle klarer. Es ersetzt keine Behandlung, ist aber ein einfacher Einstieg, um wieder Kontakt zu dem zu bekommen, was du sonst wegdrückst.
Was, wenn mich jemand hört? Das Kissen dämpft ziemlich gut. Wenn du mit anderen wohnst, sag vorher kurz Bescheid. Oder mach die Übung im Auto, wenn es geparkt ist.
Macht mich das nicht noch wütender? Es geht nicht darum, Wut hochzupuschen, sondern festgehaltenes Gefühl loszulassen. Wenn du merkst, dass du dich eher reinsteigerst, hör auf und atme ruhig weiter.
Soll mein Partner die Übung auch machen? Gerne, wenn er oder sie mag. Wichtig ist, dass jeder für sich übt. Das Kissen ist kein Werkzeug, um den anderen anzuschreien.
Zwei Wege: das Kissen oder die Abkürzung
Das Kissen ist ein guter Weg, wenn du selbst üben magst. Du gehst in deinem Tempo und merkst Tag für Tag, wie mehr Raum entsteht.
Vielleicht willst du aber direkt an die Stelle, an der die alte Regel „lieber still sein“ entstanden ist. Dann nimm die Abkürzung: sTiLL mE, mein Hypnosecoaching.
In Hypnose begegnest du dem Teil in dir, der damals beschlossen hat, still zu sein. Und du entscheidest neu. Aus „ich halte es lieber zurück“ wird „ich zeige, was in mir ist“. Das verändert, wie du dich selbst erlebst. Und damit auch, wie du in deiner Beziehung da bist.
sTiLL mE umfasst zwei Hypnosesitzungen und eine Auffrischung, dazu Videos zur Vorbereitung und Nachbereitung. Alle Infos findest du auf der Seite zu sTiLL mE.
Und jetzt du
Du musst nicht weiter schlucken. Du darfst lauter werden. Erst im Kissen, dann im echten Leben.
Du kannst heute Abend mit dem Kissen anfangen. Oder du nimmst die Abkürzung mit sTiLL mE. Wenn du erst wissen willst, welches Muster in eurer Beziehung gerade läuft, mach mein kostenloses Beziehungsquiz. Und wenn du vorher Fragen hast, buch dir ein Impulsgespräch. In 20 Minuten schauen wir gemeinsam, welcher Weg zu dir passt.

Über Mich
Jutta Büttner ist Psychologin und erfahrene Paartherapeutin mit über 15 Jahren Praxis. Sie verbindet tiefgreifendes psychologisches Wissen mit einem Verständnis für menschliche Gewohnheiten und die Funktionsweise des Gehirns. In ihrer Arbeit legt sie großen Wert auf Humor und Leichtigkeit, um festgefahrene Denkmuster aufzubrechen und positive Veränderungen zu fördern.
Jutta Büttner glaubt daran, dass durch ehrliche Kommunikation und das Erkennen emotionaler Bedürfnisse jeder in der Lage ist, erfüllende Beziehungen zu gestalten. Sie unterstützt Paare dabei, ihre Verbindung zu vertiefen und Konflikte konstruktiv anzugehen.
In ihrem Blog teilt sie inspirierende Einsichten und praktische Tipps, um das Leben und die Beziehung zu bereichern. Ihr Ziel ist es, Menschen zu ermutigen, die Veränderung selbst in die Hand zu nehmen und ihre glückliche Partnerschaft zu erschaffen.